„Nur ein Discounterrad!“ – oder: Wenn Empörung besser ausgestattet ist als das Fahrrad
„Nur ein Discounterrad!“ – oder: Wenn Empörung besser ausgestattet ist als das Fahrrad
Auszug aus der Bewertung:
„Mein ‚Vergehen‘ war der Versuch, eine deutlich sichtbare Hotline anzurufen […] Es ist leider kein modernes E-Bike für 6000 € eines Markenherstellers.“
– Herr „Radolf“, 6 Rezensionen, 1 Foto, 0 Verständnis
Herr „Radolf“ wollte nur eins: Hilfe. Für sein Fahrrad. Sein treues, robustes, vermutlich klappriges Discounter-Rad – Baujahr „wird schon gehen“.
Er kam also – mit dem Rad und einer ordentlichen Portion Empörung im Gepäck – und stand vor unserem Laden. 15 Minuten nach Öffnungszeit, angeblich ohne Personal in Sicht. Also tat er, was in dieser Situation offenbar als revolutionärer Akt gilt: Er rief die Telefonnummer an, die am Laden steht.
Tja, und dann – so behauptet er – wurde er mit folgenden Worten begrüßt:
„Sie gehören wohl auch zu denen, die nicht lesen können …“
Hui! Schweres Geschütz! Klingt schlimm, oder?
Aber Moment: Hat er vorher gelesen, dass wir abweichende Öffnungszeiten regelmäßig online und am Geschäft aushängen?
Hat er gelesen, dass wir bei Außeneinsätzen oder Notfällen gerade mal ein paar Meter weiter unterwegs sein könnten – und dass man uns in solchen Fällen bitte über den Chat kontaktieren soll, damit wir jemanden schicken können?
Hat er gelesen, dass wir telefonisch weder Diagnosen stellen noch Termine vergeben?
Sagen wir’s mal so: Es sieht eher danach aus, als hätte er gelesen, dass er wütend sein möchte – und zwar jetzt.
Und dann kam noch das eigentliche Drama:
Nicht, dass niemand am Laden war. Nicht, dass er warten musste. Nein.
Dass sein Fahrrad kein 6000-Euro-Marken-E-Bike ist.
Zitat: „Mehrere geringschätzige Bemerkungen zu meinem Rad lassen das vermuten.“
Aha!
Also nicht sicher, ob überhaupt jemand was gesagt hat, aber es wurde… gespürt.
Die Felgen der Scham glühten, als er bemerkte, dass sein Fahrrad nicht mit einem Carbonrahmen ausgestattet war. Stattdessen: Baumarkt-Schaltung, gefühlt auf dem Niveau eines Klappstuhls.
Und wir?
Wir dürfen uns jetzt in einer Bewertung wiederfinden, die klingt wie ein innerer Monolog zwischen Minderwertigkeitskomplex und Werkstattpanik.
Herr „Radolf“, ganz ehrlich:
Wir beurteilen Fahrräder nach Zustand, nicht nach Herkunft.
Was wir allerdings wirklich beurteilen, ist Verhalten.
Und wer direkt in den digitalen Angriffsmodus schaltet, ohne sich zu informieren, ohne unseren Chat zu nutzen und dann sein Fahrrad als Vorwand für schlechte Laune nimmt, muss sich über klare Worte nicht wundern.
Und ob es nun ein Discounterrad war oder ein Bentley auf zwei Rädern – das eigentliche Problem war nicht das Bike. Sondern das Benehmen.
„Keine Lust zu verleihen“ – oder: Wenn gebuchte Fahrräder plötzlich für diese Menschen freie werden
„Keine Lust zu verleihen“ – oder: Wenn gebuchte Fahrräder plötzlich für diese Menschen freie werden.
Auszug aus der Bewertung:
„Nach unserem Eindruck hatte der Angestellte keine Lust, uns für einen Tag zwei Fahrräder zu verleihen.“
Manche Menschen schauen auf ein, für andere Menschen bereitgestelltes Fahrrad und denken:
„Das ist meins. Ich sehe es. Also steht es mir zu und dann will ich es auch buchen.“
So ungefähr lief es offenbar bei Herrn „Farkas“ im Kopf ab.
Er kam, wir waren da. Freundlich. Ansprechbar. Offen.
Und – jetzt kommt der wichtige Teil – es standen Fahrräder da.
Nur eben: reservierte Fahrräder.
Fahrräder, die online gebucht wurden, mit Uhrzeit, Name, System, allem Drum und Dran.
Und was erklären wir in solchen Fällen?
Genau:
„Die Fahrräder, die hier stehen, sind bereits reserviert. Ich kann sie nicht herausgeben – selbst wenn ich wollte.“
Denn unser System ist kein Bauchladen.
Wir sind nicht die Lottofee, die spontan Räder zieht.
Wenn ein Kunde online gebucht hat, gehört das Rad ihm – zumindest für den reservierten Zeitraum.
Herrn „Farkas“ Reaktion auf diese Erklärung?
Kein „Ach so, verstehe“.
Kein „Gibt es später noch freie?“
Kein „Danke für die Info“.
Stattdessen:
Eine saftzige 1 Sterne -Bewertung.
Mit dem Vorwurf: „Der Angestellte hatte keine Lust.“
Und dem Nachsatz, der fast schon satirisch klingt:
„Da wir im Urlaub keine Zeit mit langen Erklärungen verschwenden wollten, lassen wir es dabei.“
Tja, lieber Herr „Farkas“ –
während wir erklären, dass Räder reserviert sind, schreibst du lieber eine Bewertung darüber, wie es gewirkt hat.
Das ist ungefähr so, als würde man beim Bäcker vor einer bestellten Hochzeitstorte stehen und sagen:
„Ich hätte die jetzt gern. Sie steht doch da.“
– „Die ist reserviert.“
– „Aha. Dann schreiben wir: unfreundlich. Keine Lust. Nie wieder.“
Wir können nichts dafür, dass du nicht lesen wolltest.
Und auch nichts dafür, dass andere Kunden vor dir gebucht haben.
Aber wir können was dafür, dass wir uns nicht jede Stimmung als Serviceversagen anziehen.