„Wird man einfach blöd stehen gelassen“ – oder: Wenn Kunden keinen Moment still stehen können

„Wird man einfach blöd stehen gelassen“ – oder: Wenn Kunden keinen Moment still stehen können

Auszug aus der Bewertung:
„Mitarbeiter zieht es vor mit Freunden zu quatschen. Man wird als Kunde gerne mal blöd stehen gelassen…“
– Herr „Elfmeter“, 1 Rezension, 0 Fotos, 100 % Empörung

Es war einer dieser Tage, an denen alles eigentlich rund läuft. Zwei Stammkunden stehen vor mir, wir sprechen über Leasing, Rahmengrößen, Schaltgruppen – echte Beratung mit Inhalt. Und ja, ich kenne die beiden persönlich. Das nennt man im Dorf übrigens Kundenbindung, nicht Kumpelgequatsche. Aber gut.

Während ich also mitten in der Präsentation von zwei edlen KTM-Leasingrädern bin – wirklich schöne Stücke, da bleibt man auch als Händler kurz stehen und streichelt übers Oberrohr – höre ich von der Seite ein „Entschuldigung, können Sie mal kurz…?“

Ich blicke zur Seite, nicke freundlich und sage sinngemäß: „Einen kleinen Moment bitte, ich bin gleich bei Ihnen.“

Doch dieser Moment kam Herr „Elfmeter“ offenbar wie eine Ewigkeit vor. Vielleicht tickt seine Uhr anders. Vielleicht dachte er, ich rede gerade über Fußball oder Grillrezepte. Vielleicht war er einfach ungeduldig. In jedem Fall entschied er sich, lieber zu gehen – und ein paar Tage später zu bewerten.

Was stand drin?
Dass ich lieber mit „Freunden quatsche“. Dass er blöd stehen gelassen wurde. Und dass ich „sofort laut und patzig“ geworden sei.
Spoiler: Ich wurde weder laut noch patzig. Ich wurde nicht mal unfreundlich. Ich habe schlicht gewagt, einen Kunden nicht sofort zu bedienen.

Und dann der Nachsatz, mein Favorit:

„Hatte von der Unfreundlichkeit bereits vorher von Bekannten gehört […] Jetzt selber erfahren müssen.“

Ah ja. Also jemand kommt mit einer vorgefassten Meinung, wird nicht in unter 12 Sekunden bedient – und fühlt sich sofort bestätigt. Das ist wie zum Italiener gehen, weil dir jemand gesagt hat, der sei schlecht – und dann zu bewerten: „Hab nicht mal gegessen. Sah schon so aus, als würde es mir nicht schmecken.“

Die Wahrheit ist: Ich hätte mir auch für Herrn „Elfmeter“ Zeit genommen. Kostenlos. Gründlich. Genau wie für jeden anderen. Wenn man mich nur lässt.

Aber ich berate keine Menschen, die mit dem Rücken zur Tür schon eine schlechte Bewertung schreiben.

„Hat mir nicht gefallen“ – oder: Der Mann, der einfach mal alles schlecht fand

„Hat mir nicht gefallen“ – oder: Der Mann, der einfach mal alles schlecht fand.

Auszug aus der Bewertung:
„Sehr unfreundlich. Hat mir nicht gefallen…“
– Herr „Sendy Ef“, 3 Rezensionen, 0 Fotos, 100 % Unklarheit

Was genau err „Sendy Ef“ an seinem Besuch nicht gefallen hat, bleibt ein ewiges Rätsel. War es der Kies auf dem Hof? Die Farbe der Tür? Dass ich ihn nicht mit Fanfaren und rotem Teppich empfangen habe? Wir wissen es nicht. Herr „Sendy Ef“ war da – irgendwie – und dann war er wieder weg. Zurück blieb: eine Bewertung. Kurz, knapp, nichtssagend. Man kennt das sonst nur von Leuten, die bei Amazon einen Gartenzwerg kaufen und dann schreiben: „Zu klein.“

Aber schauen wir uns mal an, was möglicherweise geschehen ist. Denn wir haben da so eine Vermutung – basierend auf wahren Begebenheiten:

err „Sendy Ef“ trat zur Tür herein, während ich gerade in einem laufenden Gespräch mit einem Kunden war. Freundlich, wie man es von uns kennt, schaute ich kurz auf, lächelte und fragte: „Hallo! Geht’s um eine Frage zum Weg oder zu den öffentlichen Toiletten?“ – Die Standardfrage für Eilige. Herr „Sendy Ef“ schüttelte den Kopf und sagte: „Nein.“ Also bat ich um einen Moment Geduld, um das Gespräch zu Ende zu bringen. Zwei Minuten. Vielleicht drei. Dann drehte sich Herr „Sendy Ef“ um – und verschwand.

Ein paar Tage später stand sie da – die Rezension mit dem Charme eines abgebrochenen Gesprächs: „Sehr unfreundlich. Hat mir nicht gefallen.“

Es könnte auch etwas anderes gewesen sein – vielleicht hatte Herr „Sendy Ef“ keine Lust, ein Buchungssystem zu benutzen, das sogar Rentnerinnen mit Lächeln bedienen. Vielleicht wollte er spontan etwas leihen, ohne sich zu informieren, oder fand es respektlos, dass wir gerade einen Kunden bedient hatten (ja, hatten wir wirklich).

Was auch immer es war: Die Bewertung bleibt so schwammig wie ein nasser Schwamm. Keine Erklärung, keine konstruktive Kritik – einfach nur schlechte Laune in Textform.

Und genau das ist der Punkt:
Herr „Sendy Ef“ steht sinnbildlich für viele dieser Bewertungen. Menschen, die nichts kaufen, nichts buchen, nichts sagen – aber sich öffentlich äußern, als wären sie Opfer eines Verbrechens geworden, weil sie in einem Laden nicht innerhalb von zehn Sekunden betreut wurden, wie sie es sich vorgestellt haben.

Was uns wirklich nicht gefällt?
Dass Menschen wie Herr „Sendy Ef“ mit ein paar Wörtern all das in Frage stellen, was wir sechs Tage die Woche mit Leidenschaft in der Hauptsaisong tun.