„Ölige Hände, aber kein Service“ – oder: Wenn man wirklich alles ignoriert, außer das eigene Drama
Auszug aus der Bewertung:
„Ein Mann fragte, ob wir nicht chatten könnten, da er gerade ölige Handy habe… Fazit: Ganz schlechter Kundenservice!“
– C., 10 Rezensionen, 0 Fotos, aber offenbar blitzsaubere Erwartungen
Stellen wir uns folgendes vor:
Zwei Menschen fahren ohne Reservierung zu einem kleinen Fahrradladen. Der Laden ist – laut eigener Aussage – offen. Doch niemand ist zu sehen. Und anstatt mal zu lesen, was am Geschäft steht oder auf der Webseite zu schauen, zücken sie das Handy.
„Wir haben mehrfach angerufen… keiner ging ran!“
Ach ja? Willkommen im Fahrradservice-Alltag.
Denn was da gerade passiert, während das Telefon klingelt, ist meist Folgendes:
– Ein platter Reifen
– Ein eierndes E-Bike
– Eine Kundin, die fragt, ob sie ihr Lastenrad auch für einen Hund nutzen kann, der 45 Kilo wiegt
– Und ja, manchmal auch einfach: ölige Hände
Und dann ruft jemand an. Und ich, der mit Bremsen, Schraubenschlüssel und Fingerspitzengefühl hantiert, nehme trotzdem ab – und sage genau das:
„Entschuldigen Sie, ich hab gerade ölige Hände, könnten Sie bitte kurz in den Chat schreiben?“
Eine Antwort, die in jedem anderen Kontext als freundlich, ehrlich und hilfreich durchgeht.
Aber nicht für C.
Für C war das offenbar ein Akt der Serviceverweigerung, eine persönliche Beleidigung, ein Zeichen der Apokalypse.
Statt fünf Sekunden im Chat zu tippen, wurde lieber 90 Minuten gewartet, um am Ende zu schreiben: „Ganz schlechter Kundenservice!“
Die Wahrheit?
– Wir geben keine telefonischen Auskünfte, sondern haben einen gut funktionierenden Chat.
– Wir sind nicht immer am Tresen – weil wir draußen, unterwegs oder am Rad schraubend für andere Kunden da sind.
– Und wer nicht reserviert, nicht chattet, nicht liest – hat kein Serviceproblem, sondern ein Informationsproblem.
Und ehrlich gesagt:
Wenn das größte Problem an einem Tag ist, dass der Mensch am anderen Ende der Leitung öliges Werkzeug in der Hand hatte, dann möchte ich C. herzlich einladen, mal selbst einen Bremszug zu tauschen.
Spoiler: Danach weiß man, warum ein Handy lieber sauber bleibt.