2020 – „Maskenball in der Kaschemme“

Es war Ende 2020. Draußen herrschte Corona, drinnen der Wahnsinn. Der Lockdown hatte uns alle fest im Griff – Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen, Click & Collect statt Bummeln und Stöbern. Die Welt stand still. Nur der gesunde Menschenverstand – der schien sich schon im ersten Lockdown verabschiedet zu haben.

Mein kleiner Laden, der tapfer durchhielt, war eigentlich geschlossen, aber für Abholer offen. Also stand ich dort mit Maske, Desinfektionsmittel, Plexiglasscheibe und einem Lächeln unter Stoff – bereit für Kunden mit Termin.

Doch plötzlich – da standen Sie – mitten im Geschäft!

Ich schaue auf. Zwei Menschen stehen im Laden. Ohne Maske. Ohne Termin. Aber mit der Selbstverständlichkeit, als wären wir in der Welt von 2019. Ich: „Hallo? Entschuldigung, hier herrscht Maskenpflicht!“

Die Antwort kam mit hochgezogenen Augenbrauen und einem Blick, der mich wahrscheinlich auf die Größe eines Einweg-Handschuhs schrumpfen lassen sollte:

„Hier? In diesem kleinen Laden?“
Und dann – ungelogen – setzte einer nach:
„In dieser… Kaschemme?“

Kaschemme?! Ich hatte den Laden liebevoll renoviert, ausgemistet, gestrichen, geschrubbt – und jetzt nennt da jemand, meinen Laden Kaschemme? Ich überlegte kurz, ob ich ein Handdesinfektionsmittel über seine Ignoranz kippen sollte, entschied mich dann aber für Humor.

Ich: „Ja genau – herzlich willkommen in meiner exklusiven Boutique-Kaschemme. Wir führen heute nur Atemschutz in limitierter Auflage. Die neue Herbst-Winter-Kollektion: FFP2 in Weiß, Grau oder modischem Krankenhausgrün!“

Kurze Stille. Dann zogen sie tatsächlich… nein, keine Masken, sondern beleidigte Gesichter.

„Na ja“, murmelte einer noch, „dann eben nicht…“

Und ich dachte nur: Click & Collect – ja. Click & Kaschemme – nein, danke!

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