„Keine Lust zu verleihen“ – oder: Wenn gebuchte Fahrräder plötzlich für diese Menschen freie werden
„Keine Lust zu verleihen“ – oder: Wenn gebuchte Fahrräder plötzlich für diese Menschen freie werden.
Auszug aus der Bewertung:
„Nach unserem Eindruck hatte der Angestellte keine Lust, uns für einen Tag zwei Fahrräder zu verleihen.“
Manche Menschen schauen auf ein, für andere Menschen bereitgestelltes Fahrrad und denken:
„Das ist meins. Ich sehe es. Also steht es mir zu und dann will ich es auch buchen.“
So ungefähr lief es offenbar bei Herrn „Farkas“ im Kopf ab.
Er kam, wir waren da. Freundlich. Ansprechbar. Offen.
Und – jetzt kommt der wichtige Teil – es standen Fahrräder da.
Nur eben: reservierte Fahrräder.
Fahrräder, die online gebucht wurden, mit Uhrzeit, Name, System, allem Drum und Dran.
Und was erklären wir in solchen Fällen?
Genau:
„Die Fahrräder, die hier stehen, sind bereits reserviert. Ich kann sie nicht herausgeben – selbst wenn ich wollte.“
Denn unser System ist kein Bauchladen.
Wir sind nicht die Lottofee, die spontan Räder zieht.
Wenn ein Kunde online gebucht hat, gehört das Rad ihm – zumindest für den reservierten Zeitraum.
Herrn „Farkas“ Reaktion auf diese Erklärung?
Kein „Ach so, verstehe“.
Kein „Gibt es später noch freie?“
Kein „Danke für die Info“.
Stattdessen:
Eine saftzige 1 Sterne -Bewertung.
Mit dem Vorwurf: „Der Angestellte hatte keine Lust.“
Und dem Nachsatz, der fast schon satirisch klingt:
„Da wir im Urlaub keine Zeit mit langen Erklärungen verschwenden wollten, lassen wir es dabei.“
Tja, lieber Herr „Farkas“ –
während wir erklären, dass Räder reserviert sind, schreibst du lieber eine Bewertung darüber, wie es gewirkt hat.
Das ist ungefähr so, als würde man beim Bäcker vor einer bestellten Hochzeitstorte stehen und sagen:
„Ich hätte die jetzt gern. Sie steht doch da.“
– „Die ist reserviert.“
– „Aha. Dann schreiben wir: unfreundlich. Keine Lust. Nie wieder.“
Wir können nichts dafür, dass du nicht lesen wolltest.
Und auch nichts dafür, dass andere Kunden vor dir gebucht haben.
Aber wir können was dafür, dass wir uns nicht jede Stimmung als Serviceversagen anziehen.
Der große Schreck: Verleihstart mit Hindernissen
2019 – Der große Schreck: Verleihstart mit Hindernissen
Es war Anfang Aprill 2019. Ich dachte: Jetzt geht’s los!
Meine ersten vier Fahrräder für den Verleih – wieder für 14 Tage unterwegs – vier schwarze BBF Citybikes mit 3-Gang-Nabe – frisch angeschafft, voller Hoffnung, dass mein kleines Verleihgeschäft Fahrt aufnimmt. Zwei Pärchen mieteten die Räder für 14 Tage, von Hollern-Twielenfleth in die Welt.
Anfangs war ich begeistert: mein zweiter Verleihauftrag über 14 Tage!
Doch dann… kam dieses komische Gefühl. Keine Reaktion auf meine Nachrichten nach dem Ende der Leihzeit. Anrufe wurden ignoriert. Funkstille.
Ich fragte mich:
Ist etwas passiert? Oder wurde ich einfach dreist beklaut?
Vier Fahrräder – weg. Und keine Spur.
Wochenlang kein Lebenszeichen. Ich kam keinen Schritt weiter.
Dann, Ende August, ein Anruf. Ein Ferienhausbesitzer aus der Region meldete sich:
„Wollen Sie Ihre Fahrräder nicht langsam mal abholen? Die stehen hier schon ewig rum.“
Ich konnte es kaum glauben! Ich fuhr sofort hin – und da standen sie: alle vier Räder. Unversehrt. Ich war erleichtert.
Wahnsinn – Ich bin verwundert.
Wie kann man sich einfach so, nicht mehr melden?
Keine Absage. Kein „Sorry“. Kein „Danke“. Einfach: nichts.
Ich war nicht bestohlen worden – aber das Gefühl, wie Luft behandelt zu werden, bleibt.
Ein Start in das Jahr 2019, den ich nie vergessen werde.
Mein Fatzit: Ich muss darüber nachdenken, für alle Räder ein GPS Tracker zu besorgen.